Ein eigenes Produkt eröffnet Designerinnen und Designern neue Möglichkeiten: Sie können ihre Vorstellungen verwirklichen, die Gestaltung bestimmen und ein Angebot schaffen, das sich mehrfach verkaufen lässt. Auf dem Weg vom überzeugenden Entwurf zum tragfähigen Geschäft liegen allerdings Hürden, die nicht immer sofort erkennbar sind.
Entwickeln: Von der ersten Idee bis zum Produkt
Am Anfang steht häufig eine Beobachtung: Etwas fehlt oder ließe sich anders gestalten. Designerinnen und Designer haben dafür ein gutes Gespür und entwickeln Lösungen für unterschiedliche Bedürfnisse. Doch eine gute Idee allein schafft noch keine Kaufbereitschaft.
Idealerweise fließen Rückmeldungen deshalb früh in die Entwicklung ein. So entsteht schrittweise ein Produkt, das gestalterisch überzeugt und eine konkrete Nachfrage trifft.
Finanzieren: Eine angemessene Produktion
Für die Serienproduktion braucht es geeignete Materialien, Fertigungsverfahren und Produktionspartner. Was als Einzelstück funktioniert, muss sich auch in größeren Mengen zuverlässig und in gleichbleibender Qualität herstellen lassen. Zunächst kleinere Mengen zu produzieren, kann sich lohnen: Sie sind pro Stück zwar teurer, senken aber das Risiko, solange Qualität oder Nachfrage noch nicht ausreichend geklärt sind.
Neben Material und Fertigung sind Verpackung, Transport, Lagerung und Vertrieb zu berücksichtigen. Auch Entwicklung, Organisation und die eigene Arbeitszeit sollten durch die Einnahmen gedeckt werden.
Verkaufen: Marketing und Vertrieb
Viele Kreative entwickeln, verbessern und erweitern ihre Produkte gern. Maßnahmen, die zum Kauf führen, kommen dabei oft zu kurz: Kontakte pflegen, Angebote nachfassen und den Nutzen wiederholt erklären. Gerade beim Verkauf an Unternehmen liegen zwischen erstem Interesse und Bestellung häufig viele Gespräche. Wer ein Produktunternehmen führt, verbringt deshalb unter Umständen deutlich mehr Zeit mit Verkauf, Abstimmung und Organisation als mit Gestaltung.
Wichtige Erkenntnisse über die Jahre
Wie der Vertrieb tatsächlich läuft, kann von den eigenen Vorstellungen abweichen – und Enttäuschungen mit sich bringen. Yolanda Leasks langjährige Erfahrungen und Beobachtungen zeigen typische Wendungen, auf die man sich früh einstellen kann.
- Die tatsächliche Kundschaft ist eine andere als gedacht
Dein Produkt findet Interesse – allerdings in einem anderen Markt oder Umfang als erwartet. Das verlangt Offenheit: Vielleicht musst du die Zielgruppe enger fassen, Preis, Angebot oder Vertriebsweg verändern. Fachlich kann das sinnvoll sein und sich persönlich dennoch wie ein Abschied von der eigenen Idee anfühlen.
- Das Produkt wird anders verwendet als vorgesehen
Manchmal entdeckt die Kundschaft selbst einen konkreten Nutzen, an den du nicht gedacht hast. Deshalb lohnt es sich, auch Anwendungen zu prüfen, die im ursprünglichen Konzept nicht vorgesehen waren.
- Aufmerksamkeit führt nicht automatisch zu ausreichenden Verkäufen
Kooperationen mit namhaften Unternehmen können Sichtbarkeit und Anerkennung schaffen. Regelmäßige Bestellungen garantieren sie nicht. Ähnliches gilt für Förderung: Sie ermöglicht Entwicklung und schafft finanzielle Spielräume. Ob die Kundschaft das Produkt dauerhaft kauft, muss sich trotzdem am Markt zeigen.
- Du musst ein Unternehmen aufbauen wollen
Ein produktbasiertes Geschäftsmodell erfordert neben Freude am Entwerfen auch Interesse am Unternehmensaufbau. Dazu gehören kaufmännisches Verständnis, Ausdauer im Vertrieb und Entscheidungen unter Unsicherheit. Partnerschaften und externe Fachkräfte können helfen, sofern Aufgaben klar verteilt sind und die Zusammenarbeit finanziert werden kann.
Welche Alternativen gibt es?
Wer nicht mit einem eigenen Produkt starten möchte oder den Vertrieb scheut, findet in Lizenzmodellen oder Auftragsproduktionen mögliche Alternativen. Wie diese funktionieren, erfahrt ihr ebenfalls hier im Designerwissen.
Zusammenfassung und Ausblick
Ein eigenes Produkt bietet die Chance, Gestaltung über einzelne Aufträge hinaus wirtschaftlich zu nutzen. Dafür müssen Nachfrage, Herstellung, Preis und Vertrieb zusammenpassen. Ein guter Entwurf ist eine wichtige Grundlage; ein laufendes Geschäft aufzubauen, verlangt zusätzliche Arbeit.
Zwei Fragen lohnen sich deshalb früh:
- Gibt es einen tragfähigen Markt für mein Angebot?
- Möchte ich die Arbeit übernehmen, die dieses Geschäftsmodell mit sich bringt?
Die Antworten können zum eigenen Produktunternehmen, zu einer Partnerschaft oder zu einem stärkeren Schwerpunkt auf Designleistungen führen. Sie helfen, ein Geschäftsmodell zu wählen, das zu den eigenen Fähigkeiten und Arbeitswünschen passt.
Weiterführende Informationen finden AGD-Mitglieder in unserem Webinarmitschnitt „Vom Entwurf zur Produktion: Was Designer:innen über produktbasierte Geschäftsmodelle wissen müssen“.